Sklaven

Alle das Lager betreffenden Themen können hier von Spielern und Lagermitgliedern besprochen werden

Re: Sklaven

Beitragvon Kassandros » Di 23. Sep 2014, 17:33

So, ich hatte kurz Zeit und mal zusammengesucht, was ich so zum Thema Heloten finde.

Als erstes hätten wir in der Suda unter dem Stichwort Philoxenos jemanden, der von den Lakedaimoniern versklavt wurde und dann verkauft wurde.

Headword: Philoxenos
Adler number: phi,393
Translated headword: Philoxenus, Philoxenos
Vetting Status: high
Translation:
Son of Eulytides, from Cythera, a lyric poet. He wrote twenty-four dithyrambs[1] and ended his days in Ephesus. At the time when the people of Cythera were enslaved by the Lacedaemonians[2] he was purchased by a certain Agesylus and raised by him and was called Myrmex or ?Ant?.[3] After Agesilaus[4] died he was educated by the lyric poet Melanippides, who had bought him.[5] Callistratus wrote that he was a native of Heraclea on the Black Sea. [6] He wrote in melic verse a Genealogy of the Aeacids.
Greek Original:
Philoxenos, Eulutidou, Kuthêrios, lurikos. egrapse dithurambous kd#: teleutai de en Ephesôi. houtos andrapodisthentôn tôn Kuthêrôn hupo Lakedaimoniôn êgorasthê hupo Agesulou tinos kai hup' autou etraphê kai Murmêx ekaleito. epaideuthê de meta ton thanaton Agêsilaou, Melanippidou priamenou auton tou lurikou. Kallistratos de Hêrakleias auton graphei Pontikês. egrapse de melikôs Genealogian tôn Aiakidôn.

Zwar ist die Suda recht spät, kann sich aber ihrerseits auf Quellen stützen, die dem Geschehen näher stehen als jene, die wir heute haben.

Plutach schreibt in seinen Parallelbiographien in: Das Leben des Lykurgos (Plut.Lykurgos XII 6-7):

"Of their dishes, the black broth is held in the highest esteem, so that the elderly men do not even ask for a bit of meat, but leave it for the young men, while they themselves have the broth poured out for their meals. 7 And it is said that one of the kings of Pontus actually bought a Spartan cook for the sake of having this broth, and then, when he tasted it, disliked it; whereupon the cooks said: "O King, those who relish this broth must first have bathed in the river Eurotas." After drinking moderately, they go off home without a torch; for they are not allowed to walk with a light, either on this or any other occasion, that they may accustom themselves to marching boldly and without fear in the darkness of night. Such, then, is the fashion of their common messes."

außerdem bei (Plut.Lykurgos XVI 1-4):

"Offspring was not reared at the will of the father, but was taken and carried by him to a place called Lesche,b1 where the elders of the tribes officially examined the infant, and if it was well-built and sturdy, they ordered the father to rear it, and assigned it one of the nine thousand lots of land; but if it was ill-born and deformed, they sent it to the so‑called Apothetae, a chasm-like place at the foot of Mount Taÿgetus, 2 in the conviction that the life of that which nature had not well equipped at the very beginning for health and strength, was of no advantage either to itself or the state. On the same principle, the women used to bathe their new-born babes not with water, but with wine, thus making a sort of test of their constitutions. For it is said that epileptic and sickly infants are thrown into convulsions by the strong wine and loose their senses, while the healthy ones are rather tempered by it, like steel, and given a firm habit of body. 3 Their nurses, too, exercised great care and skill; they reared infants without swaddling-bands, and thus left their limbs and figures free to develop; besides, they taught them to be contented and happy, not dainty about their food, nor fearful of the dark, nor afraid to be left alone, p257nor given to contemptible peevishness and whimpering. This is the reason why foreigners sometimes brought Spartan nurses for their children. Amycla, for instance, the nurse of the Athenian Alcibiades, is said to have been a Spartan."

und im Leben des Alkibiades (Plut.Alkibiades I 3):

"It is said, and with good reason, that the favour and affection which Socrates showed him contributed not a little to his reputation. Certain it is that Nicias, Demosthenes, Lamachus, Phormio, Thrasybulus, and Theramenes were prominent men, and his contemporaries, 192and yet we cannot so much as name the mother of any one of them; whereas, in the case of Alcibiades, we even know that his nurse, who was a Spartan woman, was called Amycla, and his tutor Zopyrus. The one fact is mentioned by Antisthenes, the other by Plato
It is said, and with good reason, that the favour and affection which Socrates showed him contributed not a little to his reputation. Certain it is that Nicias, Demosthenes, Lamachus, Phormio, Thrasybulus, and Theramenes were prominent men, and his contemporaries, 192and yet we cannot so much as name the mother of any one of them; whereas, in the case of Alcibiades, we even know that his nurse, who was a Spartan woman, was called Amycla, and his tutor Zopyrus. The one fact is mentioned by Antisthenes, the other by Plato."

Plutarch beschreibt außerdem bei Lykurgos II noch, dass die Spartaner "made the helots their slaves", wobei ich hier nochmal im griechischen Original nachschauen müsste, ich vermute, dass damit die Gesamheit gemeint ist, also die Geschichte dass die Heloten eben die Sklaven aller Spartaner seien, grob gesagt Staatssklaven.

Natürlich ist das alles nicht so eindeutig, dass jemand schreibt: "Wir Spartaner hatten Heloten und außerdem noch Sklaven...oder eben nicht", sondern muss aus dem Kontext erschlossen werden.

Für eine Unterscheidung von Heloten und Sklaven spricht, dass die Begriffe unterschieden werden. Außerdem auch, dass Sklaven verkauft werden, was mit Heloten eigentlich nicht gehen kann, weil sie eben kein Privateigentum sind, sondern Staatssklaven, also nichts über das ein Privatmann alleine verfügen kann.

Weiterhin spricht die rechtliche Unsicherheit in der Heloten lebten dafür, dass sie keine Sklaven in dem Sinne waren. Sklave zu sein ist ein Rechtsstatus, bei dem man auch eine gewisse Sicherheit genießen durfte. Man stand zwar im Eigentum einer Person, allerdings musste man nicht fürchten, einfach so umgebracht zu werden oder misshandelt zu werden. Dem entgegen steht die jährliche Kriegserklärung an die Heloten und die willkürliche Tötung von Heloten zu bestimmten Gelegenheiten.

Das ist, was ich fürs Erste dazu schreiben kann. Wie gesagt, das ist keine eindeutige Geschichte und ich habe jetzt auch nicht alle Quellen rausgesucht (Plato schreibt noch was und ich glaube Thukydides auch), wenn gewünscht, suche ich die Stellen bei Gelegenheit auch noch raus.

Grundsätzlich auf unser Spiel bezogen denke ich, dass es kein Problem sein sollte, als Spartaner einen Sklaven zu haben. Vielmehr wäre es ein Problem, einfach so Heloten dabei zu haben, denn dann hätte man sich einfach so mal Staatseigentum angeeignet ;)

Viele Grüße
Stefan
Kassandros
 
Beiträge: 62
Registriert: Do 6. Mär 2014, 13:04

Re: Sklaven

Beitragvon Falk » Do 9. Apr 2015, 14:07

Danke Stefan für Deine historische Untermauerung.
Mein Beitrag aus Spielersicht und gewonnener Lebenspraxis:



Es wäre sicherlich ein Anfang, wenn der Sklavenleitfaden von allen verinnerlicht würde und die plottenden Spieler auch IT auf irgendeine rollengerechte Weise für die Umsetzung sorgten.

Das Verständnis, dass ein Sklave die Funktion und Macht, auch den Respekt einfordern darf, den man gegenüber seinem Herren zu erbringen hätte, fehlt im Lager.


In den Ländern, die ich selbst kenne, in welchen Sklaven gehalten werden, ist es tatsächlich so. Man kann im persönlichen Bereich sicher seine Sklaven misshandeln und schreckliche Dinge mit ihnen anstellen. Doch das hat mit dem Umgang in der Realität, insbesondere mit dem Umgang in der Außenwelt nicht viel zu tun. Man redet erniedrigend über Sklaven, doch sie sind, wie bereits wunderbar treffend beschrieben ein lebendiger Ferrari in der Garage.

Man darf nie vergessen, ein Sklave ist kein Möbelstück. Er benötigt Unterhalt und Investitionen, insbesondere um ordentlich zu funktionieren. Er ist eine teure Investition. Außer er kann nichts. Dann wird er gar nicht erst gekauft oder es gibt ein anderes Einsatzgebiet als Arbeitssklave. Und selbst dann ist er etwas anderes als ein Werkzeug. Oft sind sie Vorarbeiter oder Kontrolleure. Wenn also jemand stolz im Controlling arbeitet...
Grundsätzlich wirken Sklaven immer im Nahbereich, man setzt sie zweckmäßigerweise dort ein, wo man Diener, die man nie in der Hand hat, nicht hinlässt.

Was den Missbrauch und Geringschätzung angeht: Menschen können viel erdulden, das ist klar. Nur am Ende werden sie allerdings immer wie ein Mensch funktionieren und je nach Charakter kann dies Folgen haben.

Es ist im Allgemeinen unangebracht, auf Sklaven herabzuschauen.
An dieser Stelle höre ich auf.

Zusammenfassend und zurück zum Spiel:


Zuvorderst sind Sklaven Eigentum eines anderen, das man besser in Ruhe lässt, im Zweifel gut behandelt.
Dazu kommt, ganz ohne Zweifel ist man im Nahbereich stets verletztlich.


Daher sollte man auch im Umgang die Rolle eines freigelassenen Sklaven nicht mit der eines Niederen verwechseln.

Freilassung ist kein Indiz für Bedeutungslosigkeit.
Benutzeravatar
Falk
 
Beiträge: 10
Registriert: Mo 1. Apr 2013, 16:19
Wohnort: Frankfurt am Main

Vorherige

Zurück zu Allgemeines

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron